Die Börsen der EU-Nachzügler reiten schon auf der Konvergenzwelle
Vollständiger Text nachzulesen in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2004, Nr. 209 / Seite 18

Kursentwicklungen an den Börsen vorherzusagen kann manchmal recht einfach sein - zumindest wenn einem Land der EU-Beitritt winkt. Denn dann laufen die Entwicklungen meist nach einem einheitlichen Strickmuster: Die Kandidaten bringen, angespornt durch das Fernziel EU, mit Unterstützung des Internationalen Währungsfonds und Finanzhilfen von der EU ihre Volkswirtschaften in Schuß. Die Folge sind steigende Wachstumsraten, sinkende Leitzinsen, höhere Unternehmensgewinne und sinkende Länderrisiken, die sich dann in besseren Kreditwürdigkeitsnoten der Ratingagenturen widerspiegeln. Dieses Spiel funktionierte bereits in Ländern wie Spanien, Portugal, Griechenland, Irland oder auch jetzt im Falle der erst im Mai beigetretenen neuen EU-Staaten. Dort sind die Prozesse nach diesem Strickmuster abgelaufen und bescherten den Börsen eine vergleichsweise gute Kursentwicklung. Und die Geschichte scheint sich nun ein weiteres Mal zu wiederholen. Das legt zumindest der Blick nach Bulgarien, Kroatien und Rumänien nahe. Diesen Ländern winkt im Jahr 2007 die EU-Mitgliedschaft. Aufbauend auf dieser Perspektive, entdecken immer mehr Anleger die Börsen dieser Länder.

Fondsmanager geben sich weiter optimistisch

Die Antworten der Kenner dieser Börsenplätze auf die Frage nach ihrer Einschätzung der dortigen Aussichten fallen jedenfalls erstaunlich konsistent aus.

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Trotz der eingefahrenen Kursgewinne sind die Aktien oft noch günstig

Derart starke Kurssteigerungen machen die rumänische Börse derzeit zum teuersten Aktienmarkt unter den EU-Nachzüglern. Allerdings scheint selbst hier ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von dreizehn für die Standardwerte noch nicht maßlos überteuert zu sein. Doch mit KGVs von sechs und acht schneiden die bulgarische und die kroatische Börse derzeit einfach besser ab. Wer sich manche Titel genauer ansieht, wird zudem feststellen, daß einige von ihnen deutlich unter Buchwert gehandelt werden.

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Relativ gut abgegrenzte Favoritengruppe

Fondsmanager konzentrieren sich deshalb primär auf die Chancen dieser Märkte, und bei der Suche nach interessanten Branchen und Einzelaktien kommen sie häufig zum gleichen Ergebnis. Als besonders aussichtsreich werden Branchen wie die Bauindustrie, die Banken- und Versicherungsbranche, die Tabakbranche, der Telekombereich und die Tourismusbranche gelobt.

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Ein Oldorado für Anlagepioniere

Wie die steigenden Kurse und Umsätze beweisen, entdecken immer mehr Anleger diese Märkte. Im Ausland gibt es - anders als in Deutschland - bereits einige speziell auf die EU-Nachzügler zugeschnittene Aktienfonds. Mit Ausnahme des kroatischen Pharmakonzerns Pliva sind an den Börsen hierzulande aber nicht einmal Anteilsscheine in Form von ADRs von Einzelwerten aus den Ländern der EU-Nachzügler zu kaufen. Wer schon jetzt mitmischen will, muß sich folglich als Anlagepionier betätigen und direkt vor Ort aktiv werden. Für waschechte Börsianer mit Entdeckerblut ist aber genau das neben der Aussicht auf Kursgewinne die große Herausforderung.

 

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